Tšnzer befeuern den Mythos Coco Chanel

Das Ballettensemble des Salzburger Landestheaters erntet Jubel

von Daniel Diekhans

Foto © Christina Canaval, Salzburger Landestheater

Tänzer befeuern den Mythos Coco Chanel
 
Remscheider Publikum bejubelt Ballettabend über die Moderevolutionärin
 
Choreographie: Peter Breuer - Libretto: Maren Zimmermann - Bühne und Kostüme: Bruno Schwengl - Licht, Video, Sound: Felix Kiesel - Komposition und Musikarrangement: Eduardo Boechat
 
Mit dem Ballettensemble des Salzburger Landestheaters:
Federico Bernardi, Iure de Castro, Diego da Cunha, Karine de Matos, José Flaviano de Mesquito Junior, Naila Fiol, Chigusa Fujijoshi, Márcia Jacqueline, Mikino Karube, Alexander Korobko, Lucas Leonardo, Lilli Lisztes, Marian Meszaros, Larissa Mota, Pedro Pires, Flavio Salamanka, Cristina Uta, Kate Watson, Anna Yanchuk
 

Foto © Christina Canaval, Salzburger Landestheater
 
Sie war nicht nur einer der erfolgreichsten Modemacherinnen, sondern auch eine der größten Mythenschöpferinnen: Coco Chanel (1883-1971). Das Salzburg Ballett bringt mit „Mythos Coco“ Chanels legendenumwobene Lebensgeschichte auf die Bühne. Im Ballett von Peter Breuer und Maren Zimmermann gehören Chanels Modewelt und ihre legendären Liebesaffären untrennbar zusammen.
 
Die Zuschauer im Teo Otto Theater erlebten das Salzburger Ensemble in eleganten Schwarz-Weiß- Kostümen à la Chanel (Ausstatter Bruno Schwengl hat hier ganze Arbeit geleistet) und sahen die Modeschöpferin dann wieder als Star der Pariser Kunstszene – mit Lovern wie dem Komponisten Igor Strawinsky an ihrer Seite. Choreograf Breuer hatte den schönen Einfall, seine Hauptfigur von drei Tänzerinnen verkörpern zu lassen. Márcia Jacqueline war die junge, lebenslustige Coco, Anna Yanchuk die erfolgreiche Madame Chanel – und das Kind spielte Lilli Lisztes. Wenn alle drei Cocos auf der Bühne standen, hatte man die Facetten ihres Charakters auf einen Blick.


Foto © Christina Canaval, Salzburger Landestheater
 
So verschieden sie sich gaben, so tanzten die beiden Solistinnen auch. Federnd, ausgreifend waren Jacquelines Bewegungen. Marian Meszaros – im Stück Cocos erste große Liebe Arthur Capel – hob und drehte sie mit ungezügelter Leidenschaft. Bevor es zu kitschig wurde, brach die Tänzerin aus der traditionellen Ballerina-Rolle aus, setzte ihrem Partner ein albernes Damenhütchen auf und tanzte an seiner Stelle ein kraftvolles Solo. Yanchuk dagegen war die Coolness in Person. Mit sparsamen, fast unmerklichen Schritten umrundete sie ihre Mannequins – immer auf der Suche nach überflüssigen Details an den Kostümen, die sie mit ihrer Schere entfernen konnte. Kontrolliert wirkte ihr Tanz selbst im Liebesspiel. Was Yanchuk verbarg, machte die Musik deutlich. So wurde beim Pas de deux mit Flavio Salamanka Strawinskys „Sacre du Printemps“ eingespielt – eine kongeniale Begleitung für ein tänzerisches Highlight.
 
Ansonsten setzte Eduardo Boechat bei seiner Musikauswahl auf Heiter-Verspieltes und natürlich auf Pariser Chansons. Zu einer Melodie von Josephine Baker vollführte Solist Diego da Cunha spektakuläre Sprünge – und bekam nach den beiden Cocos den kräftigsten Applaus.


Foto © Christina Canaval, Salzburger Landestheater
 
Schade nur, daß sich die Inszenierung nicht an die wichtigsten Ideale der Modeschöpferin Chanel – Schlichtheit und Gradlinigkeit – hielt. So wurde die Handlung mit prächtig dekorierten, aber nur bedingt überzeugenden Traumsequenzen versetzt. Das war dann doch zu viel des Guten.
 
Weitere Informationen unter www.salzburger-landestheater.at