Tankred Dorst

Der Dramatiker und Regisseur starb im Alter von 91 Jahren

von Frank Becker/Red./Are

Tankred Dorst †
 
Kulturstaatsministerin Grütters zum Tod des Dramatikers
 
Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum Tod des Dramatikers Tankred Dorst (1925-2017), der am 1. Juni gestorben ist: „Mit Tankred Dorst verliert Deutschland einen der besten Dramatiker unserer Zeit und eine große Künstlerpersönlichkeit. Tankred Dorst hat deutsche Theatergeschichte geschrieben“, so die Kulturstaatsministerin in Berlin. Die Dramen von Dorst lebten von Geschichten, die von individuellen Kämpfen und Versagen handelten und dabei „so viel von unserer Gesellschaft als Ganzes im Wandel der Zeiten“ erzählten, so Grütters weiter.
Die Genauigkeit der Beobachtung, die Nachvollziehbarkeit der Handlungen und der seelischen Vorgänge waren und blieben die Tugenden seines dramatischen Schaffens. Die Impulse, die dieser „Titan des Theaters“ uns hinterlasse, aber auch die Eindrücke, die er als markanter Intellektueller vermittelt habe, machten Dorst „unvergeßlich“, so die Kulturstaatsministerin. Der Dramatiker und Schriftsteller starb am Donnerstag mit 91 Jahren. Zuletzt hatte Dorst in Berlin gelebt.
 
In seinen mehr als 50 Stücken hat sich der vielfach preisgekrönte Dramatiker (s.u.) auf unterschiedlichste Weise mit den Fragen der menschlichen Existenz auseinandergesetzt. Große Regisseure wie Peter Zadek, Peter Palitzsch, Dieter Dorn und Hans Neuenfels arbeiteten eng mit ihm zusammen. Das bekannteste Werk des gebürtigen Thüringers ist das Stück „Merlin oder Das wüste Land“, ein Panoptikum um den Zauberer und Teufelssohn Merlin, das bis heute mit seiner bildreichen Sprache besticht.
 
Tankred Dorsts Freund und Weggefährte seit der Kriegsgefangenschaft, der Dramatiker und Romancier Karl Otto Mühl, zeigte sich vom Tod des engen Freundes tief bestürzt. 1944 hatten sich beide in dem amerikanischen Kriegsgefangenenlager in Naples/Ontario County/New York durch ihre Leidenschaft fürs Theater und fürs Schreiben und die gemeinsame Arbeit in einer Marmeladenfabrik kennengelernt. Der damals 19jährige Dorst inszenierte mit Unterstützung des amerikanischen Lagerleiters in Niagara Theaterstücke des zwei Jahre älteren Mühl. „Er wollte nichts als Künstler werden weil er, wie er sagte, `nichts anderes konnte`“, erinnert sich Karl Otto Mühl. Nach Kriegsende lebte Dorst zunächst in der DDR, bevor er nach München ging, wo er Germanistik, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte studierte.
Der Kontakt und der Austausch zwischen den beiden Theaterschaffenden hielt lebenslang. Dorst lebte bis weit in die 1950er Jahre zeitweise auch in Mühls Wohnort Wuppertal, wo die Familie Dorst ein Haus besaß.
 
Tankred Dorst, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, hat in Zusammenarbeit mit seiner Frau Ursula Ehler über fünfzig Theaterstücke geschrieben. Er gehört zu den meistgespielten deutschen Gegenwartsautoren.
 
Er erhielt eine Vielzahl von Literaturpreisen, u.a.:
1959 Preis des Mannheimer Nationaltheaters
1962 Stipendium der Villa Massimo in Rom.
1964 Förderpreis der Stadt München; Gerhart-Hauptmann-Preis der Freien Volksbühne Berlin
1970 Adolf-Grimme-Preis; Premio Italia; Lissabonner Theaterpreis
1983 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
1984 Prix "L'age d'or" des Königlichen Filminstituts von Belgien
1987 Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz
Carl Schaeffer Playwright"s Award in New York
1989 Mülheimer Dramatikerpreis
1990 Georg-Büchner-Preis
1991 Ludwig-Mülheims-Preis
1994 Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft
1997 E.T.A.-Hoffmann-Preis der Stadt Bamberg (zusammen mit Ursula Ehler)
1998 Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich
2009 Ehrendoktorwürde der Universität Bamberg
2009 Europäischer Literaturpreis, Straßburg
2010 Schiller-Gedächtnispreis
 

Redaktion: Frank Becker